Rheinland-Pfalz: Bio-Weingut jagdfrei!

Ab 1.4.2015 sind die Weinberge und Wiesen des Bio-Weinguts Gänz im rheinland-pfälzischen Hackenheim offiziell jagdfrei! Die Bio-Winzerfamilie Gänz kann es nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren, wenn Jäger in den ökologisch bewirtschafteten Weinbergen oder auf den Streuobstwiesen Tiere tot schießen.

»Viele Wildtiere sterben durch die Jagd einen qualvollen Tod. Familienverbände werden zerrüttet und wertvolle Sozialstrukturen zerstört«, erklärt Albert Gänz, der Grundstückseigentümer des Biobetriebs. »Auch wenn es gerne abgestritten wird, werden viele Tiere aus Spaß oder als Freizeitvergnügen getötet und sterben einen unnötigen Tod. Auf meinen Grundstücken soll das Leben von Wildtieren geachtet werden. Deshalb ist es mit meiner Vorstellung von einem Leben mit der Natur nicht vereinbar, dass auf meinem Grund und Boden auf grausame Weise das Blut von Wildtieren vergossen wird«, so Gänz weiter. Familie Gänz sieht zudem in der Jagdruhe auf ihren Flächen einen Gewinn für die Allgemeinheit, den Natur- und Artenschutz: Ruhezonen, in denen Wildtiere nicht dem ununterbrochenen Jagddruck ausgesetzt sind, gebe es in Deutschland noch viel zu wenige.

Das Weingut Gänz aus Hackenheim in Rheinland-Pfalz
Das Weingut Gänz aus Hackenheim in Rheinland-Pfalz bewirtschaftet seine Weinberge, Äcker und Streuobstwiesen nach den Richtlinien des ökologischen Anbaus. Die Winzerfamilie ist davon überzeugt, dass auch die Wildtiere in unserer Natur einen Platz und einen Anspruch auf Leben haben.
Darum wurden Naturräume geschaffen,
Darum wurden Naturräume geschaffen, in der die verschiedensten Tier- und Pflanzenarten eine Heimat gefunden haben. Die Winzerfamilie Gänz kann es nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren, wenn Jäger hier Tiere tot schießen.

Bereits im Jahr 2010 hatte der Bio-Betrieb bei der zuständigen Behörde einen Antrag gestellt, aus ethischen Gründen von der Zwangsbejagung der eigenen Flächen befreit zu werden.
Nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte vom 26.6.2012 stellte der Inhaber des Weinguts und Biohotels Gänz aus Hackenheim einen Eilantrag, um die Grundstücke vorläufig jagdfrei zu stellen, bis in Deutschland eine Jagdgesetzänderung in Kraft wäre. Doch das Verwaltungsgericht Koblenz hat den Eilantrag mit Beschluss vom 17.04.2013 zurückgewiesen. Die Winzerfamilie legte daraufhin Beschwerde ein, die jedoch ebenfalls zurückgewiesen wurde. In der Pressemitteilung des Oberverwaltungsgerichts Rheinland-Pfalz vom 26.6.2013 - also genau ein Jahr nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs gegen die Zwangsbejagung! - hieß es: »Die Jagd aus Gewissensgründen ablehnender Grundstückseigentümer muss Jagdausübung auf seinen Grundstücken vorläufig weiter dulden«. Dies war vor dem Hintergrund des völlig eindeutigen Urteils des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte ein Skandal.

Mit Bescheid vom 25.03.2015 hat die Kreisverwaltung Bad Kreuznach einen Großteil der Flächen der Bioweingutes Gänz in Hackenheim mit Wirkung zum 01.04.2015 – zunächst befristet auf drei Jahre – für befriedet erklärt.

»Dass auf meinen Grundstücken gejagt wird, kann ich beim besten Willen nicht mit meinem Gewissen vereinbaren«, erklärt Albert Gänz, der Eigentümer des Weinguts, in seiner Stellungnahme zur Gewissensfrage. »Jedes Wild- und Haustier, das auf meinen Grundstücken einen Tod durch Jagdausübungsberechtigte erleidet, bedeutet für mich einen großen Schmerz. Mit meiner Familie habe ich bereits vor über 18 Jahren begonnen, einen anderen Blick auf die uns umgebende Tier- und Pflanzenwelt zu werfen. So begründete sich im Jahr 1997 auch die Entscheidung, unseren landwirtschaftlichen Betrieb von diesem Zeitpunkt an mit all seinen Flächen nach den Grundsätzen des ökologischen Anbaus zu bewirtschaften. Angetrieben wurde diese Entscheidung insbesondere von der Idee, einen Umgang mit der uns anvertrauten Natur zu pflegen und im Einklang mit ihr zu arbeiten, um das Leben von Pflanzen und Tieren auf die bestmögliche Weise zu respektieren und aktiv zu schützen.«

Die Bio-Winzer sind überzeugt, dass die Jagd nicht notwendig ist - auch wenn dies unaufhörlich suggeriert werde. Darüber hinaus schädige die Jagd die Natur.

Hier finden Sie weitere Informationen über den Einsatz der Winzerfamilie für die Natur und die Wildtiere