Bürgerinitiative Zwangsbejagung ade

Nordrhein-Westfalen: Grundstück in Geseke jagdfrei

Der Ökologe Dr. Karl-Heinz Loske

hat auf seinem Grundstück in der mittelwestfälischen Hellwegbörde auf einer ehemals ausgeräumten Ackerfläche ein Biotop für Wildtiere geschaffen: Eigenhändig legte er Hecken, Wälder, Streuobstwiesen und Teiche an. Zweimal im Jahr musste die Familie machtlos mit ansehen, wie Jäger bei Treibjagden hier die letzten Hasen und Fasane sowie Rehe und Ringeltauben abknallten. Bild: Dr. Karl-Heinz Loske

Sofort nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom 26.6.2012 stellte der Biologe und Ökologe Dr. Karl-Heinz Loske einen Antrag auf Befriedung seiner Grundstücke. Seit 1.4.2014 sind 2,2 Hektar in der mittelwestfälischen Hellwegbörde (Geseke, Kreis Soest) offiziell jagdrechtlich befriedet. Seín weiteres Grundstück in der Gemarkung Hörste mit 0,3 Hektar wird mit dem Ende des laufenden Jagdpachtvertrags zum 1.4.2016 befriedet.
Dr. Karl-Heinz Loske ist freiberuflicher, vereidigter und öffentlich bestellter Umweltsachverständiger und lebt seit 1987 mit seiner Familie in Geseke. Nach Erwerb von über 2 Hektar ausgeräumter Ackerfläche legte der Ökologe eigenhändig Wiesen, Wälder, Obstwiesen und Teiche an. Es wurde ein schutzwürdiger, artenreicher Lebensraum für Wildtiere geschaffen, der wie eine Insel in ausgeräumter Ackerbörde liegt und zahlreiche seltene Arten anzieht.

Schon früh gab es um dieses Biotop heftige Konflikte, da die Jäger trotz eindeutiger Gegenwehr der Familie Loske zweimal jährlich eine Treibjagd abhielten und dabei insbesondere Hasen und Fasanen schossen. Hinzu kamen zahlreiche Zusatzjagden auf Ringeltauben und Rehe. Selbst durch den umzäunten, hofnahen Garten stapften die Waidmänner, um hier demonstrativ und vor den Augen der machtlosen Familie die letzten Fasane aufzuscheuchen und abzuschießen.

Nicht zuletzt dieser alljährliche Ärger und die Ohnmacht, tatenlos zusehen zu müssen, wie zutrauliche, friedliche Wildtiere auf eigenem Grund erschossen wurden, inspirierten Dr. Loske zu seinem 2006 erschienenen Buch »Von der Jagd und den Jägern«, in dem er sich eingehend mit den wahren Motiven und Leidenschaften der Jäger auseinandersetzt. Die wichtigste These des Experten darin: Die Hobbyjagd ist aus ökologischer Sicht entbehrlich und eine Natur ohne Jagd ist in Deutschland problemlos möglich.

Auf seinem jagdfreien Grundstück kann sich nun endlich der vielfältige, selbst geschaffene Lebensraum ohne Störungen entwickeln und Wildtieren in einer lebensfeindlichen Agrarlandschaft einen wichtigen Rückzugsraum bieten.